Wie in vielen anderen Veränderungsprozessen, stellt sich auch während der Scheidung die Frage: Was machen wir mit unserer Immobilie? Selten ist die Frage leicht zu beantworten. Denn die passende Lösung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Hat das Paar Kinder? Möchte einer von beiden in der Immobilie wohnen bleiben? Wem gehören  welche Anteile an der Immobilie?

Stellen wir uns ein Paar vor, dass sich vor einigen Jahren, kurz nach der Hochzeit gemeinsam ein kleines Häuschen gekauft hat. Inzwischen haben Sie zwei Kinder. Das Haus gehört beiden zu gleichen Teilen. Wie viele andere Paare hätten sie nie an eine Trennung gedacht, denn schließlich verstand man sich ja gut. Demzufolge schloss man keinen Ehevertrag. Die Jahre vergingen und der Streit begann. Keiner war mehr glücklich und letzendlich beschlossen die beiden, sich zu trennen. Die Kinder bleiben bei der Mutter, diese Entscheidung liegt hinter ihnen. Aber nun geht es ums Haus. Was kann man tun? Besonders schwierig stellt sich die Beantwortung der Frage dar, wenn die Partner nicht mehr richtig miteinander reden.

Was tun mit der Immobilie, wenn die Scheidung läuft?

Die Nerven liegen blank und die Verständigung der Eheleute klappt nicht mehr gut. Als Konsequenz wendet sich unser Paar bald an einen Profi-Makler. Dieser zeigt ihnen folgende Optionen auf: Die Mutter könnte mit den Kindern in der Immobilie wohnen bleiben. Dann könnten sich die ehemaligen Partner einigen, ob die Ehefrau an ihren Ex-Mann Miete bezahlt. Oder ob sie ohne weitere Zahlungen in der Immobilie bleibt. Eine weitere Alternative wäre die Verrechnung der Mietzahlungen mit den Kosten für die Hypothek oder den Unterhaltskosten. In diesem Fall empfiehlt der Immobilienexperte, sich zusätzlich eine rechtliche Beratung zu suchen. Gerne vermitteln wir Ihnen unseren Kooperationspartner (Rechtsanwalt Dr. Waxenberger), der auf diese Themen spezialisiert ist. Sehen Sie mehr Informationen hier auf unserer Partner-Seite.

Die Mutter könnte allerdings auch den Vater auszahlen. Um zu wissen, wie hoch die Auszahlung ausfallen würde, würde der Wert der Immobilie mit der Restschuld verrechnet. Also mit den Hypotheken und Krediten, die noch abbezahlt werden müssen. Nehmen wir an, das Haus wurde vor zehn Jahren gekauft, ist 800.000 Euro wert und 600.000 Euro sind bisher abbezahlt. Die übrigen 200.000 Euro müsste nun die Mutter allein tragen. Von den bereits gezahlten 600.000 Euro müsste sie dazu noch die Hälfte an ihren Ex-Mann zahlen. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob sie sich diese Lösung leisten kann. Häufig ist diese Lösung für einen Partner allein zu teuer.

Clever bei einer Scheidung: Vorerbe oder Schenkung

Bei dieser Möglichkeit würde das Haus als Vorerbe oder Schenkung auf die Kinder übertragen. Demzufolge könnte die Mutter mit den Kindern in der Immobilie wohnen bleiben. Sie könnte nach der Scheidung als Vormund der Kinder bis zu deren 18. Lebensjahr über das Haus verfügen. In der Regel ist diese Lösung besonders gut bei einem Kind geeignet. Denn bei zwei Kindern könnte es später zu Streitigkeiten kommen. Und das möchte sicherlich niemand forcieren. Bedeutet die Scheidung schon genug schlechte Stimmung.

Die Eheleuten könnten das Haus auch in zwei Wohnungen teilen. Das bedeutet, dass beide Ex-Partner  jeweils in einer der Wohnungen wohnen bleiben. Diese Möglichkeit bietet sich an, wenn sich beide Partner noch gut verstehen. Schließlich wohnen sie weiterhin in der Nähe des anderen. Für die Kinder sicherlich eine gute Lösung, jedoch müssen beide Elternteile dazu bereit sein. Für die Teilung ist eine Genehmigung von der Gemeinde nötig. Zusätzlich muss die Teilung auch um Grundbuch eingetragen werden.

Vermieten, verkaufen oder versteigern?

Denkbar ist auch die Vermietung der Immobilie. Hierbei teilen sich beide Ex-Partner die Mieteinnahmen. Möchte später eines der beiden Kinder in der Immobilie wohnen, kann das eine geeignete Lösung sein. Die Ex-Partner können die Immobilie natürlich auch verkaufen und den Verkaufserlös teilen. Diese Lösung bevorzugen viele Paare. Wichtig ist hier, dass der Wert der Immobilie professionell ermittelt wird. Denn mit dem Erlös möchten beide ihren Neubeginn starten.

Können sich beide auf keine dieser Lösungen einigen, droht eine Teilungsversteigerung. Einer der Partner muss dies beim Amtsgericht beantragen, wenn er die Lösung der Immobilienfrage erzwingen möchte. Immobilienprofis raten von dieser Lösung ab. Denn in der Regel wird hier ein geringerer Erlös erzielt und keiner ist so richtig glücklich.

Stecken in gerade in einer Scheidung? Sind Sie unsicher, welche der Optionen für Ihre Immobilie die richtige ist? Kontaktieren Sie uns! Wir beraten Sie gern.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall dar. Bitte lassen Sie die Sachverhalte in Ihrem konkreten Einzelfall von einem Rechtsanwalt und/oder Steuerberater klären.

 

 

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