Sie kennen die Klausel sicherlich vom Autokauf: „Gekauft wie gesehen“. Sie sichert den Haftungsausschluss bei Kaufverträgen zwischen Verbrauchern. Aber Vorsicht! Solche Klauseln sind kein Freifahrtschein. Denn sie schützen private Verkäufer nicht immer vor Schadensersatzansprüchen.

Die Offenbarungspflicht des Verkäufers

Bei dem Verkauf einer Immobilie hat der Verkäufer eine sogenannte Offenbarungspflicht. Auch mit der Klausel “gekauft wie gesehen”. Das heißt, wenn der Verkäufer einen Mangel kennt und ihn nicht offenlegt, muss er für ihn haften. Es gibt wenige Altbauten, die frei von Mängeln sind. Diese fallen bei einer Hausbesichtigung nicht immer ins Auge. Trotzdem rät die Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht ARGE Immobilienverkäufern, bauliche Mängel offenzulegen.

Feuchtigkeitsschäden führen zum Beispiel häufig zu Anfechtungen des Kaufvertrages. Begründung ist die sogenannte arglistige Täuschung. Der Verkäufer beruft sich dann normalerweise darauf, dass der Käufer die deutlich sichtbaren Schimmelflecken hätte sehen müssen. Arglistiges Handeln läge vor, wenn die Flecken an der Wand hinter einer Tapete verborgen werden.

Was bedeutet die Klausel “Gekauft wie gesehen”?

Der Verkäufer schließt mit dem Haftungsausschluss „gekauft wie gesehen“ grundsätzlich die Gewährleistung für Mängel aus, die bei einer ordnungsgemäßen Besichtigung auffallen würden. Darunter versteht man die zumutbarere Untersuchung der Kaufsache ohne Hinzuziehung eines Sachverständigen. Wir raten zu einem Gewährleistungsausschluss im notariellen Kaufvertrag, denn das ist beim Verkauf gebrauchter Immobilien unter Verbrauchern üblich.

Verkäufern raten wir darüber hinaus, keine Garantien zu geben. Welche Altimmobilie gibt es, die gänzlich mangelfrei ist? Der Bundesgerichtshof steckt mit Urteil vom 4. April 2014 (Az. V ZR 275/12) die Grenzen der Haftung ab. Danach haftet der Verkäufer für die Kosten der Sanierung zur Mangelbeseitigung. Es gibt dabei eine Grenze der Unverhältnismäßigkeit, wenn zum Beispiel die Reparatur mehr kostet, als das Haus im mangelfreien Zustand wert ist.

Offenlegung der Mängel

Der Verkäufer schuldet die Aufklärung über offenbarungspflichtige Mängel. Das sind sachliche Mängel, wie eine Überflutungsgefahr, Asbestmaterialien oder Hausschwammbefall. Gewährleistungsrechte entfallen, wenn dem Käufer der Mangel bekannt ist. Das muss der Verkäufer vor Gericht beweisen können. Deshalb empfehlen wir, die Aufklärung sorgfältig zu dokumentieren, zum Beispiel im notariellen Kaufvertrag.

Die üblichen Formulierungen “Gekauft wie gesehen” oder “Gekauft wie es steht und liegt” unterscheiden sich rechtlich nicht. Es handelt sich bei beiden nicht um einen vollständigen Ausschluss der Gewährleistung! Vielmehr schließen Sie die Gewährleistung nur für offensichtliche Mängel aus. Ob der Käufer die Immobile tatsächlich auf offensichtliche Mängel untersucht hat, spielt dabei keine Rolle.

Gekauft wie gesehen: Was sind offensichtliche Mängel?

Hier sind ein paar Beispiele für offensichtliche Mängel, um Ihnen eine Idee zu geben.

  • Abblätternder Putz
  • sichtbare Risse in der Fassade
  • Defekte Wasserleitungen
  • Deutliche Lärmbelästigungen
  • Undichtes Dach
  • Schimmel an Wand und Decke

Ein paar Beispiele für versteckte Mängel:

  • Altlasten auf dem Grundstück, Asbest im Gebäude
  • Defekte Gasleitungen
  • Schimmel hinter Tapeten verborgen
  • Gesundheitsschädliche Materialien
  • Welche Gewährleistungsrechte hat der Käufer?

Bei tatsächlichen Mängeln kann der Käufer folgende Gewährleistungsrechte gegen den Verkäufer geltend machen:

  • Mängelbeseitigung (Sanierung oder Reparatur)
  • Minderung des Kaufpreises
  • Rücktritt vom Kaufvertrag
  • Schadensersatz

Rechte bei generellem Ausschluss der Gewährleistung

Bei einem generellen Gewährleistungsausschluss hat der Käufer normalerweise keine Gewährleistungsrechte gegenüber dem Verkäufer, doch jede Regel hat ihre Ausnahmen:

Bei arglistiger Täuschung (§ 444 BGB) steht dem Käufer das Recht zu, den Kaufvertrag anzufechten. Eine arglistige Täuschung setzt die Aufklärungsverpflichtung über den versteckten Mangel voraus. Bei der arglistigen Täuschung trägt der Käufer die Beweislast.

Der Käufer darf sich auf Gewährleistung berufen, wenn eine bestimmte Beschaffenheit der Immobilie vereinbart ist. Diese Vereinbarung verdrängt jeden Gewährleistungsausschluss. (BGH, Urteil vom 19.12.2012, Az. VIII ZR 96/12)

Der sichere Hausverkauf

Wie Sie sehen, gibt es viel zu wissen. Zögern Sie bei Fragen nicht, uns zu kontaktieren. Gerne beraten wir Sie oder stellen den Kontakt zu einem Anwalt her. Lassen Sie sich bei einem geplanten Hausverkauf von einem RE/MAX-Fachmann unterstützen, denn er analysiert Ihre Immobilie und bereitet die Verkaufsunterlagen vor. Er führt die Verkaufsverhandlungen professionell bis zum erfolgreichen Notartermin. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches und kostenloses Beratungsgespräch!

By |2018-02-18T19:42:45+00:00Februar 18th, 2018|Unkategorisiert|2 Comments

2 Comments

  1. Max Garnier 27. September 2018 at 15:55 - Reply

    Sehr interessanter Artikel.
    Der Besichtigungstermin und der Übergabetermin der Immobilie liegen in der Regel ja mehrere Wochen auseinander.
    Wie verhält sich Gekauft wie gesehen (zum Besichtigungstermin). Bzw. wie weißt der Verkäufer nach, dass der “abgeplätterte Putz” bereits zur Besichtigung vorhanden war und nicht erst zwischen Besichtigung u. Übergabe entstanden ist?

    • Angela Wowra 28. September 2018 at 18:06 - Reply

      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar und Ihre interessante Frage. In der Regel gilt, dass die Beschaffenheit der Immobilie den Zustand bei der Übergabe haben soll, wie zum Zeitpunkt der Besichtigung. Um augenscheinliche Beschädigungen oder Mängel mit Zeitpunkt zuzuordnen, sollte bei Kaufentscheidung nochmals besichtigt werden. Solche Dinge “wie Putz abgeblättert” sollte man dann am besten dokumentieren. Hier sind für den Nachweis des Zeitpunkts z.B. Fotos mit der Abbildung des evtl. Schadens/Zustands zusammen mit der Titelseite der aktuellen Tageszeitung möglich. (Datumsnachweis)

Leave A Comment

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen